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Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Stimmt das?

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    Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Stimmt das?

Wir kennen das Sprichwort “Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser”. Stimmt das wirklich?

Was ist, wenn es genau umgekehrt ist, Kontrolle ist gut aber Vertrauen ist besser. Viele Sprichwörter, die uns von den Altvorderen überliefert wurden, sind aus Situationen geboren, wie sie zu damaligen Zeiten geherrscht hatten. Was steckt dahinter, welche Bedeutung hat es?

 

Vertrauen ist ein zusammengesetztes Wort, ver-trauen. Recherchiert man die Vorsilbe ‘ver’ ergeben sich grob zwei Arten. Die eine gibt dem Verb eine negative Bedeutung, die andere deutet einen Verlauf bzw. keine spezielle Bedeutung an. Ganz deutlich ist das bei den Verben etwas/jemanden vergessen, eine Sache verlegen oder auf jemanden verzichten. Sie umschreiben einen Verlust, ein negatives Ereignis. Das Wort Vertrauen weist auf einen Verlauf hin, weil ein Gefühlswert dauerhaft vorhanden ist.

 

Kontrolle ist ein Wort, dem eine sachliche Handlung zugrunde liegt, die aktiv vollzogen wird. Eine Person oder eine Sache werden überwacht. Dabei kann es dann auch zu Dominanz und Machtgehabe kommen, bis hin zur Gewaltbereitschaft. Um die Bedeutung im modernen Geschäftsleben zu mildern wurde das englische Wort ‘Controlling’ eingeführt. Dort geht es im Management um Daten- und Informationsfluss sowie deren Aufbereitung im Sinne von Analyse und Beobachtung, für bessere, zielorientierte Entscheidungen. Im Angestelltenbereich wird es zwischen Kollegen gerne als das “Vier-Augen-Prinzip” eingesetzt. In der Realität ist es dann leider doch eher eine versteckte Machtkultur. Kontrolle empfinden die Menschen als etwas Willkürliches. Der Kontrolle ausgesetzt zu sein verstärkt das Misstrauen. Ist da noch Platz für Vertrauen?

 

Vertrauen ist ein Gefühl, eine Glaubensregel. Und auch hier fängt es bei mir an. Habe ich das Vertrauen verloren, traue ich mir selber nicht mehr über den Weg. Dann traue ich auch nichts und niemandem mehr richtig. Vertrauen gehört zu unseren (Ur)Gefühlen, die wir für dieses Leben mitbekommen haben. Kinder haben dieses sich-selbst-vertrauen und leben es voll aus. Erst durch die “(V-)Erziehung” rütteln wir an dem Gefühl und vermitteln bewußt oder unbewußt, dass es nicht (immer) richtig ist auf etwas oder jemandem zu vertrauen. Dabei wäre dieses Gefühl, wenn es sich bei uns verinnerlichen dürfte, durchaus ein wunderbarer Eigenschutz. Es signalisiert uns durch ein “komisches Gefühl”, wenn jemand das Vertrauen missbrauchen will. Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten bestärkt uns in Wachstum und Entfaltung zu gehen.

 

Also nur Vertrauen und keine Kontrolle mehr oder nur Kontrolle und kein Vertrauen mehr?

 

Vertrauen zu haben ist lebenswichtig und durchweg positiv zu sehen. Es gibt sehr viele Persönlichkeiten, die in ihrem (Geschäfts-) Leben bewiesen haben, dass ab einem bestimmten Punkt nur Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zählt. Dann haben sie fest an den Durchbruch und Erfolg geglaubt. Sie waren tief im Inneren davon sogar überzeugt. Hat man die Hausaufgaben gemacht, dann hat man alle für die Entscheidung aktuell zur Verfügung stehenden Dinge überprüft (kontrolliert). Das heißt auf sachlicher Ebene sollten nach Möglichkeit alle Faktoren ausgeschlossen worden sein, die den Erfolg offensichtlich akut verhindert oder zumindest hinausgezögert hätten. Dann, wenn alles getan wurde um die Idee Richtung Verwirklichung zu bringen, setzt das Vertrauen ein. Eine innere Haltung, die uns sicher sein lässt, dass alles zur vollen Zufriedenheit eintreffen wird. Umgekehrt besteht durchaus die Gefahr, wenn ich mir beim leisesten Zweifel nicht mehr vertraue und versuche nur durch Kontrolle/Controlling ein gutes Ergebnis zu realisieren, geht das zu Lasten des Ergebnisses. (Einfaches Beispiel: Ich will ein Paket versenden. Die kaufe das was ich versenden möchte, ich verpacke es sicher für den Transport, ich habe gecheckt ob der Versand für den Paketinhalt problemlos ist, ich wähle eine stabile Verpackung und ich füge Absender und Empfängeradresse hinzu. DAS IST DIE VORARBEIT – dafür ist das Controlling super, weil es sicherstellt, dass keine Probleme auftreten, die im Vorfeld hätten vermieden werden können. Und jetzt kommt der Part mit dem Vertrauen. Transport und Zustellung werden von dritter Seite übernommen. Hier lasse ich los und vertraue dem Prozess. Alles wird gut verlaufen. Hier Kontrolle anzuwenden ist nicht nur mühsam, es erzeugt die falsche Energie. Da ich es anderen nicht zutraue etwas zu meiner Zufriedenheit zu erledigen, zeige ich gleichfalls ein Misstrauen mir gegenüber, dass ja bei mir immer etwas Schlimmes geschieht. Und so ist es deutlich wahrscheinlicher, dass etwas in der Art eintrifft).

 

Kontrolle ist gut aber Vertrauen ist besser beschreibt ein Handeln, dass von einer gewissen Leichtigkeit geprägt ist. Es reduziert den Erfolgsdruck. Und es erlaubt uns im Falle eines Fehlers nicht gleich alles in Frage zu stellen. Dann darf der Fehler das sein, was er ist. Ein Hinweis für ein kleines “Feintuning”. Bis zum heutigen Tag hat alles Controlling tatsächlich nicht wirklich das Fehler machen eliminiert. Wer dem Menschen das Vertrauen zerstört, setzt eine Spirale in Gang, die mit aller Kontrolle nicht mehr zu kontrollieren ist. Und für eine stabile Gesellschaft mit einem gesunden Miteinander, ist angemessene Kontrolle gepaart mit ganz viel Vertrauen sehr wichtig.

 

Fragen, die sich der Leser/Zuhörer stellen mag:

 

Wie gut ist mein (Ur)Vertrauen ausgeprägt?

Wann ist mein Vertrauen erschüttert worden?

Wo ist eine Controllingfunktion durchaus berechtigt?

Was muss ein Controller haben?

Wie viel Kontrolle ist gut?