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ÜberFLUTung

Jeder kennt die Flut oder eine Flut. Es ist eine schwallartige Menge, die auf mich zukommt. Und selbst die Flut (Ebbe und Flut) kommt nicht in homöopathischen Dosen. Die, die es bei einer Wattwanderung oder ähnlichem schon mal erlebt und heil überstanden haben, wissen wovon ich spreche. Mein Begriff, den ich so gerne verwende nämlich die “homöopathische Dose” ist das genaue Gegenteil. Es ist eine (ver)tragbare Menge.

Flut! Wenn es uns widerfährt und das tut es Tag für Tag, ist das einem ertrinken vergleichbar. Nur dass wir kein Wasser in unsere Lungen bekommen, sondern Stress erleben. Sehr provokativ gesagt, ein Sterben auf Raten! Warum?

Das Paradebeispiel ist die Information. Mehr denn je können wir Informationen über Informationen erhalten. Zum Teil sind sie für die Vorbereitung hilfreich. Wer aber schon mal eine gravierende, negative Erfahrung gemacht hat (oder eine Reihe kleinerer), wird versuchen sich besser zu informieren, damit das nicht noch einmal geschieht. Und da beginnt ein Kreislauf. Je mehr wir recherchieren und fragen (auch nachfragen), desto mehr Antworten werden wir bekommen. Helfen sie? Ja und Nein. Wenn wir konkrete Fragen stellen und uns mit den Antworten dazu zufrieden geben, kommen wir zu einer zufriedenstellenden Entscheidung mit Restrisiko. Können wir überhaupt eine 100%ige Sicherheit erfahren? Ganz klar nein! Es bleibt beim Restrisiko. Warum? Weil wir erstens nie alle Faktoren kennen, und zweitens, wenn wir uns durch die Informationsflut so richtig durcheinander gebracht haben, unsere Entscheidungen nicht mehr klar und aus der Ruhe heraus treffen können. Nach bestem Wissen und Gewissen ist ein Leitsatz, der für mich punktet.

Du möchtest gerne eine Reise buchen. Und hast ein Wunschziel. Jetzt willst du wissen, wie komme ich da hin? Welche Airline? Über ein Reisebüro buchen? Was ist wichtig und zu beachten – Impfungen, Kleidung, Medikamente, Schutz vor Insekten, etc.? Das sind alles überwiegend sachdienliche Fragen. Dann aber möchtest du wissen, ob es Anderen (!) auch gefallen hat und was für Tipps sie geben!!! Und da kannst du dich komplett verlieren bis hin zu “nein, da fahre ich doch nicht hin”… und du nimmst dir etwas total Schönes. Deine EIGENE Erfahrung. Wer sagt denn, dass DU ein Desaster erlebst, wer weiß denn wie DU dich in dem Land fühlst? 

Ich habe vor vielen Jahren spontan eine Reise in den Sinai nach Sharm-el-Sheikh gebucht. Dass es kurz vorher einen Bombenanschlag auf ein Hotel gegeben hat, wußte ich nicht! Dass alleinreisenden Frauen damals abgeraten wurde nach Ägypten zu reisen, wußte ich nicht! Dass es zu dem Zeitpunkt Gefahren im Roten Meer gab, wußte ich nicht!… natürlich war mir bewußt in welches Land ich reisen würden und ich hatte mir einen Reiseführer gekauft. Aber einen wo der Fokus auf den Vorzügen und den Lösungen lag. Fazit: ich hatte keine unangenehmen Vorfälle, ich hatte mich immer sicher gefühlt und am Ende der Reise nur gute Erinnerungen gesammelt. Hätte ich – und damals gab es Gott-sei-Dank noch nicht diese ganzen Foren – mich mit Informationen überflutet, vor allem mit den so genannten Horrorgeschichten, dann wäre ich mit einem mulmigen Gefühl gereist und hätte höchstwahrscheinlich ganz andere Erfahrungen gemacht oder hätte diese Reise “sausen lassen”. Ich bin sehr lange ein sehr ängstlicher Typ gewesen (und das hat man mir nicht unbedingt angesehen) und somit kann ich heute sagen, wenn Angst und Sorgen bei mir stärker waren als Freude und Neugier, dann ging auch garantiert irgendetwas schief und zwar so richtig.

Wir haben heute tatsächlich ein Problem die Flut zu stoppen, eindämmen klappt schon besser, wenn wir wissen, wann und wie. Wo ist so eine Flut überhaupt zu finden? Werbung, Radio, Zeitung, Fernsehen und Internet…. überall! Wir werden informiert, ob wir wollen oder nicht. Filtern und sortieren zu können ist von großem Vorteil. Was ist wichtig und unverzichtbar?

Beispiele: Straßenschilder, die dir wichtige Verkehrsregeln aufzeigen. Warnschilder, die dir sagen, dass jetzt Aufmerksamkeit geboten ist. Oder Inhaltsstoffe, die dir helfen, wenn du Allergien und Unverträglichkeiten zu beachten hast. Es sind also essentielle Informationen, die dich schützen. Was ist unnütz? Alles was wir aktuell nicht beherrschen oder ändern können. Und da darf sich jeder fragen, was ist relevant für mich und was ist es nicht.

Zum Schluß noch ein Wort zu den homöopathischen Dosen. So hat alles angefangen, nur war diese Begrifflichkeit noch nicht in aller Munde. Eine kleine Dosis, die verträglich und verkraftbar ist, schadet niemandem, ganz im Gegenteil. Aber es gibt die Weisheit, dass der Frosch, wenn er in einen Topf mit kaltem Wasser gesetzt wird, auch den Tod findet, wenn dieses Wasser zum kochen gebracht wird!!! (ein Sterben auf Raten).

Das rechte Maß an Informationen von dem Zuviel zu trennen, ist etwas was du  lernen kannst. Damit verhilfst du dir zu mehr innerer Ruhe und innerem Frieden. Diesen Pfad der Befreiung suchen, finden und gehen, gibt dir die Kraft, die Lebensfreude und den Lebensmut zurück. 

Fragen, die sich der geneigte Leser stellen mag:Wann habe ich bemerkt, dass ich überflutet wurde?Was hat mich überflutet?Was kann ich (noch) tun, wenn es mir nicht gelingt?
Welche Lösung habe ich für mich gefunden?Warum habe ich das bisher nicht registriert?