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Erfolgreich scheitern

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Was für ein kontroverser Titel, nicht wahr?! Als ich den das erste Mal gehört habe bin ich innerlich auf die Barrikaden gegangen, total. So ein Quatsch! Geht doch gar nicht! Wie soll das gehen?

Mein erster Mentor, Karl Pilsl, hat mich in den Anfängen meiner Persönlichkeitsentwicklung ziemlich herausgefordert. Nicht nur, dass er Gott und Geschäft in einem Satz erwähnt hat, sondern eben auch mit dem Ausspruch, dass wir alle nur erfolgreich scheitern – wenn wir wissen wie. Ha!

Wie siehst du das? Bist du schon mal erfolgreich gescheitert?

In meinem Werdegang gab es nur “erfolglos den Bach runter gegangen”, ich habe da nichts Gutes entdecken können. Aber wenn die Zeit reif ist, kommen Lehrer und Erkenntnis. Und das war definitiv bei mir der Fall. Ich hätte sonst wieder mal aufgegeben und mich über das vermeintlich rausgeworfene Geld sehr geärgert. Jedoch irgend etwas in meinem Inneren korrespondierte mit dem Erzählten auf der Bühne. Und dann kam eine Schlüsselszene. In diesem Seminar bat Karl Pilsl einen Freiwilligen auf die Bühne. Er stellte den jungen Mann in die Mitte und sagte uns, wir sollten ihn uns als Zahnpastatube vorstellen – “Colgate” in diesem Fall (er hat lange Jahre mit der Familie in Amerika gelebt und spricht gerne deutsch-amerikanisch mit österreichischem Akzent). Deswegen ist es wohl in meinem “Permanentspeicher” angekommen. Well, wir schmunzelten und stellten uns die menschliche Zahnpastatube vor. Und dann kam die Frage: “Wenn ich jetzt hier drauf drücke (Druckpunkt Magengegend), was kommt dann oben raus”? Fast wie im Chor antworteten wir “na Zahnpasta natürlich”! Nein! Es kommt genau das raus was ich hinein gefüllt habe. Wenn ich Hühnerdreck reinfülle, kommt auch Hühndreck raus. Ganz gleich was auf der Tube steht und wie die Tube ausschaut! Stille. Und fast ungläubiges Staunen. Dann fielen die Groschen, langsam und einzeln aber sie fielen bei allen.

Wenn das mit der Zahnpastatube so ist, dann ist ein Scheitern nicht mehr unbedingt schlecht (in der Tat ist es nie schlecht aber so weit war ich noch nicht). So fangen Veränderungen an, klein und fein. Und das hat meine Art zu denken so durcheinander gewirbelt, dass ich begann mir neue Fragen zu stellen.

Ich bin mir sicher, dass es viele Aha-Momente gibt, die uns einen neuen Blickwinkel bescheren. Und wenn Fehler machen wichtig ist, können wir es uns leisten welche zu machen. Natürlich gibt es Situationen, die sehr haarig sein können aber dazu führen auch eine längere Reihe von größeren und kleineren Fehlern, die nur gekonnt ignoriert wurden.

Wenn ich es also ein Stück weit akzeptieren kann, dass ein Fehler nur dazu da ist, zu zeigen, dass der Pfad, den ich gerade beschreite, mich von meinem Ziel mehr entfernt als mich näher zu bringen, kann eine Korrektur einfach und leicht vonstatten gehen. Und sehr oft kann sich die Person später im Rückblick eingestehen, dass da auch ein “komisches Gefühl” war. Quasi eine Frühwarnung, die leider nur keine Berücksichtigung fand.

Wir dürfen es uns leicht machen und einen neuen Blickwinkel annehmen. Warum dieser Fehler? Worauf soll ich meine Aufmerksamkeit lenken? Wo kann ich korrigieren? Welche Gefühle hatte ich oder was hat mich zu dem Fehler “gebracht”? Manchmal kann es richtig zwanghaft sein (so haben mir Personen bestätigt). Dann ist es absolut wichtig achtsam zu werden. Wir sind so geübt darin uns für etwas zu bestrafen was wir nie gemacht haben oder nur aus Unwissenheit oder Unachtsamkeit. Und dann fungiert der Fehler wie eine Bestätigung, dass wir es nicht besser verdient haben. Böse Falle und auf keinen Fall richtig!

Erfolgreich scheitern heißt nichts anderes als stoppen, resümieren (genau hinsehen / hinhören/hinfühlen), korrigieren – evtl. kurz pausieren – und anders weiter machen. Dann sind wir wieder auf dem Pfad des dahin fließens und Dinge fügen sich wie Puzzlestücke zu einem fertigen Bild.

Finden wir unsere Fehlerquellen und können sie nacheinander versiegen lassen, werden wir erfolgreich ohne zu oft zu scheitern.

Fragen, die sich der Leser / Zuhörer stellen mag:

  • Wann bin ich gescheitert?
  • Was hat das scheitern ausgelöst?
  • Wer konnte mir helfen anders weiter zu machen?
  • Wie kann ich erfolgreiches scheitern für mich erfahren?