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Das Eine tun und das Andere nicht lassen

“Das Eine tun und das Andere nicht lassen” heißt u.a. Ich kann mich voll entfalten aber Anderen zur Seite stehen, wenn sie mich brauchen. Ich kann selbstverständlich an Vieles glauben und Schönes genießen und trotzdem aktiv Dinge recherchieren oder hinterfragen.

Das geisterte seit einiger Zeit durch meinen Kopf. Mein Pfadfindertum hatte eine Pause erfahren und nein, es war “eigentlich” nicht so gewollt. Nur im Leben gibt es manchmal dieses im Dickicht festsitzen und ohne es zu merken darin auch zu verharren. Die Umstände eben!

Bei mir hieß es ‘Still ruhte der See’.

Aber der Reihe nach…

Letztes Jahr im Frühsommer hatten alte Gewohnheiten wieder Oberhand gewonnen. Ich habe mich fangen lassen von früheren Glaubenssätzen und darauf reagiert. Mehr und mehr kamen die alten Muster an die Oberfläche und hielten mich auf Trab. Es geschieht auch hier nichts über Nacht, sondern allmählich aber stetig. Und nach ein paar Wochen war keine Zeit mehr da kreativ zu sein. Na ja, dann gönn ich mir eben eine Schaffenspause, habe ja viel gemacht davor, so erklärte ich es mir. Sich ‘unter Wert zu verkaufen’ trotz oder mit der so genannten ehrlichen Arbeit ist Selbstsabotage! Ich habe meinen Ängsten und Zweifeln Rechnung getragen und mich vor den Karren spannen lassen.  Auch mein Partner hat es erst viel später gemerkt. Seine Fragen zu meinen kreativen Projekten habe ich vom Tisch gewischt mit dem Argument, dass das gerade so sein muß.

In ruhigen Stunden habe ich wieder und wieder (m)eine leise, innere Stimme vernommen, die vorsichtig nachfragte, was denn los sei. Regelmäßig kamen Impulse. Doch je länger ich im alten Muster blieb, desto zäher wurde es. Und dann kam eine Situation und mir wurde schlagartig klar, dass ich mich verheddert hatte. Das zuzugeben war eine Herausforderung. Und die Situation zu verändern eine noch größere.

Jeder kennt dieses “Morgen fang ich an, morgen wird alles wieder anders”. Das ist so ähnlich die das Schild was in einer amerikanischen Bar über dem Tresen hängt “Morgen gibt’s Freibier”! Und jeder wartet und trinkt mehr oder weniger geduldig bis Mitternacht. Dann fordert er beim Wirt das versprochene Freibier ein. Und der zeigt nur grinsend auf das Schild und meint, morgen gibt’s das!!! Stell dir die Gesichter dazu vor, wenn der Groschen pfennigweise fällt. Je nach Typ Mensch ist von offener Wut bis stiller Enttäuschung alles dabei. Das ist “Verarsche”!!! Wirklich? Wer ist denn Wem auf den Leim gegangen?

Bei mir kam die innere Stimme wieder klarer durch und mit ihr die Worte, die mein Thema geworden sind “Das Eine tun und das Andere nicht lassen”. Ich habe mich gefragt was damit alles gemeint ist. Und ist es tatsächlich überall verwendbar? Also in alte Muster verfallen und gleichzeitig neue Pfade gehen wollen funktionierte nicht! Darüber nachdenken und davon träumen, es dann dem Alltagstrott zu opfern, aber schon. Ver-rückt oder ?!

Es ist wohl, wie so oft, doch etwas tiefsinniger. Man kann z.B. seinen alten Job, sein bisheriges Leben eine Weile weiterleben aber gleichzeitig damit beginnen etwas Neues zu erschaffen. Wenn ich mir im Klaren bin, dass ich den neuen Pfad gehen will, dann braucht es natürlich eine Vorbereitungszeit. Dann ist das Ziel, die Veränderung, ganz klar im Fokus und das alte Leben darf als Automatismus gesehen werden. Die gewohnten Dinge wie Wecker stellen, aufstehen, waschen, anziehen, frühstücken und zu Arbeit fahren, sind bekannte Gewohnheiten, die wir wie im Schlaf beherrschen. Die neuen Sachen, die wir implementieren wollen, müssen Schritt für Schritt integriert und gefestigt werden. Jeder, der recherchieren will, wird erfahren, dass es erforscht ist, wie lange ein Mensch braucht um sich etwas Neues beizubringen damit es sich als Gewohnheit manifestiert. Alte Muster durch neue zu ersetzen dauert und da gibt es auch die kleinen oder nicht so kleinen Stolperfallen. Die können einen fix um Wochen zurückfallen lassen oder, wenn es schlimm kommt, alles was bisher erreicht wurde, zunichte machen.

Aber nach allem was ich bisher gelernt, erfahren und erlebt habe, glaube ich mittlerweile ganz fest, dass die Wahrheit, das ursprüngliche Wesen, der essentielle Kern eines Jeden an die Oberfläche will und nur du oder ich können es aktiv verhindern, indem wir alles negieren, was uns in diese Richtung bringen will. Alles was wir sind, wozu wir geboren wurden, was du und ich erlebt und gelernt haben, hat nur diesen einen Sinn. Unseren Daseinszweck prominent zu machen. Dabei ist der harte Stoff genauso wichtig wie der weiche. Unsere weniger schönen Momente (leider dauern sie manchmal viel zu lange) gehören ebenso dazu. Alte Wunden, Verletzungen haben auf unser Innerstes einen großen Einfluß genommen.

Jeder von uns wird dieses “Das Eine tun und das Andere nicht lassen” auch verschieden sehen oder interpretieren. Ich sehe es als das an, was für mich wichtig ist. Ich kann mich um alle meine Belange kümmern, mir aber eine Auszeit gönnen. Ich kann mich voll entfalten aber Anderen zur Seite stehen, wenn sie mich brauchen. Ich kann selbstverständlich an Vieles glauben und Schönes genießen und trotzdem aktiv Dinge recherchieren oder hinterfragen. Dabei gilt es nur aufzupassen, dass der Pfad nicht in ein Dickicht führt, in dem man sich verheddert!!! (*zwinker*).

Was kommt dir in den Sinn, wenn du dich fragst was es bei dir ist “Das Eine tun und das Andere nicht lassen”? Wie viele kleine oder auch große Sachen fallen dir ein?

Was hat dich schon mal zurück geworfen?

Welcher ‘harte Stoff’ behindert deine Pfadsuche? (Es ist nur der harte Stoff, der das tut!)

Wie sieht deine Erfahrung, deine Erkenntnis heute aus?

Wie weit bist du schon mit deinem Pfad(e)findertum?